{"id":2233,"date":"2017-01-31T12:04:46","date_gmt":"2017-01-31T10:04:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.werkrealschule-unterer-neckar.de\/?p=2233"},"modified":"2017-07-25T12:03:21","modified_gmt":"2017-07-25T10:03:21","slug":"sonnendurchflutet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.werkrealschule-unterer-neckar.de\/?p=2233","title":{"rendered":"Sonnendurchflutet"},"content":{"rendered":"<p><strong>Autorenlesung von Gisela Loos \u00fcber ihre Flucht aus Schlesien<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-2227\" src=\"http:\/\/www.werkrealschule-unterer-neckar.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/P1020510-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Das Thema Flucht ist in Deutschland bei weitem nicht Schnee von gestern, gerade im Moment ist es allgegenw\u00e4rtig und wird \u00fcberall kontrovers diskutiert. Auch an unserer Schule werden derzeit viele Fl\u00fcchtlinge unterrichtet und wir versuchen sie in unsere Klassen und die Schulgemeinschaft zu integrieren, was manchmal nicht ganz leicht ist. Dies war f\u00fcr unseren Rektor Thomas Schneider ein guter Anlass, eine Autorin aus seinem Bekanntenkreis an unsere Schule einzuladen, die aus erster Hand von Flucht, Neuanfang und den damit verbundenen Schwierigkeiten erz\u00e4hlen kann.<!--more--><\/p>\n<p>Gisela Loos, Jahrgang 1933, erz\u00e4hlte heute in der Klassenstufe 10 von ihrer Flucht aus Schlesien. Sie war damals 11 Jahre alt. Der freundlichen \u00e4lteren Dame sieht man ihr Schicksal nicht an. Sie hat drei Kinder und drei Enkelkinder, denen sie schon oft von damals erz\u00e4hlt hat, bevor sie sich entschlossen hat, ein Buch dar\u00fcber zu schreiben, \u201edamit die Dinge nicht verloren gehen\u201c, wie sie sagt. Mitten in einer kalten Nacht im Januar 1945 sei sie von ihrer Mutter aufgeweckt worden. Sie solle aufstehen und sich warm anziehen, die \u201eRussen k\u00e4men\u201c. Von der geplanten Flucht hatte sie nichts mitbekommen. Der Vater, ein angesehener Gesch\u00e4ftsmann in Saarau, musste zur\u00fcckbleiben: \u201eSei lieb zu Mutti, ihr m\u00fcsst weg, es n\u00fctzt ja nichts\u201c, war alles was er zum Abschied sagen konnte, bevor man sie auf den LKW verlud. Ihre Mutter weinte und sie hatte Angst um ihre Wellensittiche, die sie nicht mitnehmen konnte. Auch alle ihre B\u00fccher und ihr gesamtes Spielzeug musste sie zur\u00fccklassen. Sie wollten zu Verwandten nach Erfurt, landeten aber zun\u00e4chst bei Gesch\u00e4ftsfreunden in Niederau bei Radebeul. Von der Ostfront drohte die Gefahr von russischen Soldaten. Ab Februar 1945 drohte dann auch noch Gefahr von den \u201eAmis\u201c, die mit Flugzeugen Dresden in Schutt und Asche legten. An viel kann Frau Loos sich nicht mehr erinnern. Gerade allt\u00e4gliche Dinge wie: \u201eWo haben wir eingekauft, was haben wir gegessen, wo haben wir gekocht\u201c, sind ihr entfallen. Aber der Gefechtsl\u00e4rm, das Brummen der Flugzeugstafeln, die Angst, die K\u00e4lte und der Schmutz sind tief in ihrem Inneren verwurzelt. Im April 1945 sollte es weiter nach Klingenthal gehen. Doch da die Feldj\u00e4ger die Stra\u00dfen f\u00fcr die Milit\u00e4r-LKWs freir\u00e4umten, mussten die Fl\u00fcchtlinge auf Nebenstrecken und Waldwege ausweichen. Pl\u00f6tzlich war die Familie in Tschechien gelandet \u2013 eine brandgef\u00e4hrliche Situation, wie sich Frau Loos erinnert, denn die Tschechen wollten sich an den \u201eNazis\u201c r\u00e4chen. Immer musste sie leise sein, immer war die Angst vor Entdeckung da.<\/p>\n<!-- MetaSlider 2214 not found -->\n<p>\u00dcber Klingenthal kam die Familie im Juni 1945 endlich bei den Verwandten in Erfurt an. Es war ein schwieriger Schulstart. Sie musste eine Klasse wiederholen, alles war weg. Ab Sommer 1945 wurde langsam alles wieder aufgebaut. Deutschland wurde unter den Siegerm\u00e4chten aufgeteilt, Reparationszahlungen erfolgten. Schlesien wurde auf der Jalta-Konferenz den Polen zugesprochen, eine R\u00fcckkehr in die Heimat damit unm\u00f6glich. Bis Juli 1948 blieb die Familie in Erfurt. Gisela Loos f\u00fchlte sich wohl hier, Erfurt war eine sch\u00f6ne alte Stadt und sie hatte sich gut eingelebt. Doch dann kam der Schock! Weil der Vater eine Stelle in Mannheim angeboten bekam, floh die Familie in den Westsektor. Ein Bauer schleuste die Familie \u00fcber die Felder in den Westen. Zuerst die Eltern, dann Gisela selbst, es ging einfach nicht anders. Wieder wurde sie allein gelassen mit der qu\u00e4lenden Angst vor Entdeckung und der Sorge, ob sie wirklich abgeholt werden w\u00fcrde und ihre Eltern wiedersehen w\u00fcrde. Als die Familie dann endlich gemeinsam in Mannheim angekommen war, fing alles von vorne an: wieder eine neue Schule, wieder fremde Kinder, wieder keine Freunde, wieder ein anderer Dialekt, wieder ein schwieriger Neustart.<\/p>\n<p>Dann war die Zeit leider schon um und alle Sch\u00fcler\/-innen waren sich einig, dass sie noch viel mehr \u00fcber ihr Leben in Mannheim erfahren h\u00e4tten und gerne noch viele Fragen gestellt h\u00e4tten. Josef aus der 10a hat sich wie auf einer Zeitreise gef\u00fchlt, so dass er sich die Flucht gut im Kopf vorstellen konnte: \u201eDas war eine wahre Geschichte, die sich wie der Inhalt von einem Film angeh\u00f6rt hat. Wenn eine Person ein Erlebnis erz\u00e4hlt ist es ganz anders wie wenn man einen Film sieht oder ein Buch liest.\u201c Und alle waren beeindruckt, dass Frau Loos trotz ihrer Erlebnisse noch so lebensfroh und offen ist und stets ein L\u00e4cheln auf dem Gesicht trug. (<em>Quelle: WRS Unterer Neckar, Online-Redaktion<\/em>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autorenlesung von Gisela Loos \u00fcber ihre Flucht aus Schlesien Das Thema Flucht ist in Deutschland bei weitem nicht Schnee von gestern, gerade im Moment ist es allgegenw\u00e4rtig und wird \u00fcberall kontrovers diskutiert. 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