{"id":7212,"date":"2024-06-26T20:17:54","date_gmt":"2024-06-26T18:17:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.werkrealschule-unterer-neckar.de\/?p=7212"},"modified":"2024-06-27T14:22:59","modified_gmt":"2024-06-27T12:22:59","slug":"es-war-die-hoelle-auf-erden-eine-erinnerungen-an-zwangsarbeiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.werkrealschule-unterer-neckar.de\/?p=7212","title":{"rendered":"&#8222;Es war die H\u00f6lle auf Erden&#8220; &#8211; eine Erinnerungen an Zwangsarbeiter"},"content":{"rendered":"<p class=\"fs-5 fw-normal text-dark nfy-reader-teaser\"><strong>F\u00fcr die Inszenierung von Sch\u00fclern der Werkrealschule gab es stehende Ovationen der Zuschauer.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7182 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.werkrealschule-unterer-neckar.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/P1160515-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/>&#8222;Wow&#8220;, entfuhr es Thomas Schneider. Danach brauchte der Schulleiter der Werkrealschule Unterer Neckar lange, bevor er die n\u00e4chsten Worte fand. Ehe er jetzt auf der B\u00fchne stand, hatte er der ber\u00fchrenden Vorstellung einer Arbeitsgemeinschaft seiner Schule beigewohnt. Die neun Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler hatten in einer eindrucksvollen Inszenierung die Geschichten von Zwangsarbeitern des Daimler-Benz-Werks in Sandhofen erz\u00e4hlt. Teils als Nachzeichnen des Lebenslaufs, teils in den Worten, in denen die \u00dcberlebenden ihre Geschichte sp\u00e4ter selbst erinnerten.<!--more--><\/p>\n<p>Die szenische Lesung stand in direktem Zusammenhang zur Campusausstellung &#8222;Gegen das Vergessen&#8220;. Sie zeigte Portr\u00e4ts von Holocaust\u00fcberlebenden. Portr\u00e4ts, die der Mannheimer Fotograf und Filmemacher Luigi Toscano gemacht hat, und der neben den Fotos auch die Geschichten aufgenommen hat. Toscano hatte sein Projekt einst mit den Bildern der Zwangsarbeiter begonnen, die zu Beginn der 1940er-Jahre im KZ Sandhofen untergebracht waren. F\u00fcnf von ihnen standen im Mittelpunkt der Lesung von Ilias Barzizoui, Megan Fiory, Marlon M\u00fcller, Luzie Orth, Havin Polat, Mohamed Rasoul, Luca Schindler, Finn Seemann und Max Ziegler.<\/p>\n<p>Die von ihnen gew\u00e4hlte Dramaturgie des Abends, den sie zusammen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern ausgearbeitet hatten, war so bedr\u00fcckend wie die Geschichten. Die st\u00e4dtische Turnhalle blieb dunkel, &#8222;Old Polish Tango&#8220;, ein zeitgen\u00f6ssisches Musikst\u00fcck, leitete die szenische Lesung ein.<\/p>\n<p>Die Lesenden standen dann mal als Quartett, mal als Duo auf der B\u00fchne. Im Hintergrund: Leinw\u00e4nde mit den Portr\u00e4ts der \u00dcberlebenden. Die, die sie einst waren. Die, die sie sp\u00e4ter sein sollten. Und dazwischen Zeichnungen. In schwarz-wei\u00df zu sehen der Appell auf dem Schulhof, der kilometerlange Marsch vom KZ zum Werk, oder auch die Hinrichtung eines KZ-H\u00e4ftlings, der Strick um seinen Hals an einem Baum befestigt, die F\u00fc\u00dfe auf einem Stuhl, der fallen sollte. Es waren Zeichnungen eines Mith\u00e4ftlings; Zeichnungen als \u00dcberlieferung des Grauens. &#8222;Es war die H\u00f6lle auf Erden&#8220;, hie\u00df es irgendwann in der Lesung.<\/p>\n<p>Die Geschichten der Zwangsarbeiter begannen alle in Polen. Hier wurden sie geboren \u2013 und sp\u00e4ter nach Deutschland verschleppt. Sie \u00fcberlebten nicht nur Sandhofen und die Repressalien der Nazis. Auch Dachau, Buchenwald und sp\u00e4tere Todesm\u00e4rsche standen in ihren Biografien. Was sie am Leben hielt? &#8222;Ein unersch\u00fctterlicher Glaube und unsere Familien&#8220;, zitierten die Sch\u00fcler Boleslaw Urbanski, der eben diese Worte anl\u00e4sslich einer Gedenkfeier 2017 in Sandhofen sagte. Das Leid, die Schikanen, sie spielten sich nicht fern der Sandhofener ab, sondern mitten unter ihnen.<\/p>\n<p>Das KZ war in der Friedrichschule untergebracht, also im Ortszentrum. Die Bev\u00f6lkerung war nicht selten Teil der Grausamkeit. Auch das wurde aus der Lesung deutlich. Umso schwerer wog der Schlussappell von Havin Polat, die sagte: &#8222;Menschlich bleiben, auch wenn es schwerf\u00e4llt. Nicht mitmachen, wenn andere ausgegrenzt werden und Andersartigkeit nicht sofort negativ sehen. Das ist unsere Verantwortung.&#8220; Die stehenden Ovationen der Zuschauer, unter denen auch B\u00fcrgermeister Stefan Schmutz und Luigi Toscano waren, hatte sich die Arbeitsgemeinschaft wahrlich verdient.<\/p>\n<p>Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler seien bereit gewesen, sich mit einem komplexen und sperrigen Thema auseinanderzusetzen, sagte Schneider. &#8222;Seit einem Jahr engagiert ihr euch f\u00fcr dieses Projekt&#8220;, lobte er.<\/p>\n<p>Das Ziel sei von Beginn an gewesen, die Portr\u00e4ts der Holocaust\u00fcberlebenden lebendig werden zu lassen. &#8222;Das ist euch beeindruckend gelungen&#8220;, konstatierte der sichtlich emotionale Schulleiter, der in Anbetracht der Geschehnisse damals und dem aufkeimenden Nationalismus heute nochmals die Worte Polats bekr\u00e4ftigte, als er sagte: &#8222;Es ist unser aller Verantwortung. Hier. Heute. F\u00fcr immer.&#8220; (<em>Quelle Text: Christina Sch\u00e4fer, Rhein Neckar Zeitung, Quelle Bild: WRS Unterer Neckar, Online-Redaktion)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die Inszenierung von Sch\u00fclern der Werkrealschule gab es stehende Ovationen der Zuschauer. &#8222;Wow&#8220;, entfuhr es Thomas Schneider. Danach brauchte der Schulleiter der Werkrealschule Unterer Neckar lange, bevor er die n\u00e4chsten Worte fand. Ehe er jetzt auf der B\u00fchne stand, hatte er der ber\u00fchrenden Vorstellung einer Arbeitsgemeinschaft seiner Schule beigewohnt. 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