Er kam vom Medizinstudium über die Schreinerlehre zum Lehrerberuf. 2006 trat er sein Lehramt in Ladenburg an.
Eigentlich wollte er Arzt werden, brach das Medizinstudium dann aber ab. Er machte eine Schreinerlehre, arbeitete später als Lehrer. Und jetzt? Jetzt ist Johannes Pöckler Leiter der Werkrealschule Unterer Neckar. Es war ein Vormittag, der zeigte, wie wichtig diese Schulart ist. In mehreren Reden wurde dezent kritisiert, dass es ein Fehler der Landesregierung ist, die Werkrealschule zu schwächen.
Dass die Ladenburger Schule mit Johannes Pöckler einen Rektor mit „Stallgeruch“ bekommen hat, erleichtert den Übergang nach der Pensionierung seines Vorgängers Thomas Schneider. Ein Jahr führte Pöckler bereits kommissarisch die Schule. „Heute wird die Rektoren-Stelle offiziell besetzt“, erklärte Schulamtsdirektorin Florence Brokowski-Shekete.
Sie hielt eine beeindruckende Rede zur Amtseinführung. „Schulen leben von Haltung“, meinte sie, und Haltung werde durch gute Entscheidungen bestimmt. Dass Pöckler gute Entscheidungen treffen kann, habe er seit 2006 bewiesen, als er in Ladenburg sein Lehramt antrat. Und das, nachdem es alles andere als sicher war, dass er in den Schuldienst geht. „Es ist gut, wenn man erst mal andere Weg einschlägt“, sagte die Schulamtsdirektorin beeindruckt.
Für die Bildungslandschaft war es aber auch gut, dass Pöckler – wie fast alle in seiner Familie – Lehrer wurde. Verlässlich, besonnen und zugewandt sei der Rektor, der es nie nötig habe, „den Chef zu spielen“. Um respektiert zu werden, brauche es keinen autoritären Führungsstil. Viel wichtiger sei es, den Gesprächspartnern auf Augenhöhe zu begegnen.
Brokowski-Shekete zeigte auch eine andere Seite Pöcklers auf: In einem Sabbatjahr war er nicht etwa viel gereist, sondern hatte als exzellenter Geigenspieler zwei Geigen gebaut. Der kreative Zeitgenosse sei kein Lautsprecher und auch kein Geiger, der laut spielen wolle, so die Schulamtsdirektorin.
So einfühlsam wie sein Geigenspiel sei auch seine Amtsführung, was danach die Lehrkräfte in einem „Poetry-Slam“ bescheinigten. „Er schenkt uns ein Lächeln, wenn wir es gerade brauchen. Der Mensch steht bei ihm immer an erster Stelle“, lautete das Fazit, das dem eher öffentlichkeitsscheuen Rektor bestimmt gefallen hat.
Bürgermeister Stefan Schmutz lobte Pöckler als eine Persönlichkeit, die Schule gestalte, um Zukunftswege zu ermöglichen. „Sie übernehmen noch mehr Verantwortung, und das verdient Respekt“, betonte Schmutz. Eingangs hatte er mit einem Augenzwinkern auf den Udo-Lindenberg-Hit „Einer muss es ja machen“ hingewiesen. Johannes Pöckler sei aber kein Mensch, der „einfach was macht“. Er bringe viel Herzblut ein und ringe um die besten Lösungen.
Der Ladenburger Rathauschef kritisierte, die „fehlende Planungssicherheit“, die den Werkrealschulen im Land zugemutet wird. Für ihn haben die Werkrealschulen längst einen festen Platz in der Bildungslandschaft. Umso schwerer wiegt für Stefan Schmutz die Tatsache, dass das Auslaufen der Werkrealschule politisch beschlossen ist.
Er ließ nicht unerwähnt, dass der Unterricht in Ladenburg seit Jahren in einer Containeranlage stattfindet, weil das Schulgebäude umfangreich renoviert werden musste. „In dieser Situation zusätzlich Verantwortung zu übernehmen, ist ein beachtliches Signal“, betonte der Bürgermeister. Er kündigte an, dass das dreijährige Provisorium bald beendet werden könne.
Die geschäftsführende Schulleiterin Kirsten Lather freute sich, dass ein „Mann des Vertrauens“, der Sicherheit ausstrahlt, seit einem Jahr die Schule führt. „Du bist ein großartiger Pädagoge in einer großartigen Schule“, brachte es Lather auf den Punkt. Sie wünsche sich, dass die Gesellschaft erkennen möge, wie wichtig Werkrealschulen sind. Das habe der Schulleiter längst erkannt, so Lather.
Sie bewundere an ihm, dass er all den unterschiedlichen Stimmen einen Klang geben könne. Elternsprecher Thomas Orth stellte zufrieden fest, dass Pöckler ein Mensch sei, der immer erkennt, dass gerade die Schwachen Hilfe brauchen. „In dieser Schule halten alle zusammen. Hier werden die Wege gemeinsam gegangen“, sagte Orth.
In seiner Dankesrede versicherte Johannes Pöckler abschließend, dass es nie sein Plan gewesen sei, einmal Rektor zu werden. Er dankte seinen anwesenden Eltern, dass er die Flausen, die er im Kopf hatte, ausleben durfte. Seinem Vorgänger Thomas Schneider dankte er für die Motivation, sich als dessen Nachfolger zu bewerben. Dankesworte hörte auch Nina Salinger, die den kommissarischen Schulleiter stark unterstützte. Wer offiziell die Stellvertreterstelle einnehmen wird, ist derzeit noch offen.
Erfreut zeigte sich Johannes Pöckler über das Querflöten-Stück, präsentiert von Mira Zron, und auch die Schülerinnen-Tanz-Aufführung begeisterte den neuen Rektor. Was für ein engagiertes, humorvolles Kollegium Pöckler hat, war in dem Video „Zusammen sind wir stark“ offensichtlich. Wer an der Werkrealschule zweifelt, dem sei empfohlen, sich das Musikvideo anzuschauen. (Quelle Text: Axel Sturm, Rhein-Neckar-Zeitung, Quelle Bild: WRS Unterer Neckar, Online-Redaktion)


































