24. Juli 2026 · Kommentare deaktiviert für Ein Rektor, der sogar Geigen bauen kann · Kategorien: Pressespiegel

Johannes Pöckler von der Werkrealschule Unterer Neckar wurde in sein Amt eingeführt / Dass Pöckler eine Schule leiten kann, hat er längst bewiesen

Die verantwortlichen Akteure der neuen grün-schwarzen Landesregierung, die der Werkrealschule in ihrer jetzigen Form die rote Karte gezeigt haben, hätten bei der Amtseinführung des neuen Rektors, Johannes Pöckler, dabei sein sollen. Es wurde am Mittwochvormittag nämlich aufgezeigt, wie wichitg diese Schulart ist. In mehreren Reden wurde dezent kritisiert, dass es ein Fehler ist, die Werkrealschule zu schwächen. So wurde unter anderem beschlossen, den eigenständigen Werkrealschulabschluss komplett abzuschaffen.

Dass die Ladenburger Werkrealschule mit Johannes Pöckler einen Rektor  bekommen hat, der bereits „Stallgeruch“ hat, erleichtert den Übergang, der nach der Pensionierung des Schulleiters Thomas Schneider geschlossen werden musste. Ein Jahr führte Pöckler nun kommissarisch die Schule. „Heute wird die Rektorenstelle offiziell besetzt“, meinte die Schulamtsdirektorin Florence Brokowski-Shekete, die eine beeindruckende Rede zur Amtseinführung hielt. „Schulen leben von Haltung“, meinte Brokowski-Shekete, dass eine Haltung durch gute Entscheidungen bestimmt wird. Dass Pöckler gute Entscheidungen treffen kann, habe er seit 2006 bewiesen, als er in Ladenburg sein Lehramt antrat. Es war alles andere als sicher war, dass der heutige Rektor in den Schuldienst eintreten würde. Nach seinem Abitur studierte er Medizin. Pöckler, dessen Mutter und Vater Lehrer an der Blindenschule waren, brach dann das Medizinstudium ab und erlernte des Beruf des Schreiners.

„Es ist gut, wenn man erst mal andere Weg einschlägt“, war die Schulamtsdirektorin beeindruckt. Für die Bildungslandschaft war es aber auch gut, dass Pöckler – wie fast alle in seiner Familie – dann Lehrer wurde. Verlässlich, besonnen, zugewandt sei der Rektor, der es nie nötig hatte, „den Chef zu spielen“. Um respektiert zu werden, braucht es keinen autoritären Führungsstil. Viel wichtiger sei es, den Gesprächspartnern auf Augenhöhe zu begegnen. Brokowski-Shekete erwähnte auch, dass der exzellente Geigenspieler ein Sabbatjahr antrat. Andere nutzen die Auszeit, um zu verreisen. Pöckler nahm sich hingegen die Zeit, um zwei Geigen zu bauen. Der kreative Zeitgenosse sei kein Lautsprecher und auch kein Geiger, der laut spielen möchte. So einfühlsam wie sein Geigenspiel sei auch seine Amtsführung, was danach auch die Lehrkräfte in einem „Poetry-Slam“ bescheinigten. „Er schenkt uns ein Lächeln –  wenn wir es gerade brauchen. Der Mensch steht bei ihm immer an erster Stelle“, zogen die Lehrkräfte ein Fazit, das dem eher öffentlichkeitsscheuen Rektor bestimmt gefallen hat.

Werkrealschulen haben festen Plazt in der Bildungslandschft – aber nicht für die Landesregierung

Bürgermeister Stefan Schmutz lobte Pöckler als eine Persönlichkeit, die Schule gestaltet, um Zukunftswege zu ermöglichen. „Sie übernehmen noch mehr Verantwortung, und dies verdient Respekt“, meinte Schmutz, der eingangs mit einem Augenzwinkern auf den Udo-Lindenberg-Hit „Einer muss es ja machen“ hinwies. Pöckler sei aber kein Mensch, der „einfach was macht“. Er bringt viel Herzblut ein und ringt um die besten Lösungen. Auch Schmutz kritisierte die „fehlende Planungssicherheit“, die den Werkrealschulen im Land zugemutet wird. Für Schmutz haben die Werkrealschulen längst einen festen Platz in der Bildungslandschaft. Umso schwerer wiegt für ihn die Tatsache, dass das Auslaufen der Werkrealschule politisch beschlossen ist. Der Bürgermeister ließ nicht unerwähnt, dass der Unterricht in Ladenburg seit Jahren in einer Containeranlage stattfindet, weil das Schulgebäude umfangreich renoviert werden musste. „In dieser Situation zusätzlich Verantwortung zu übernehmen, ist ein beachtliches Signal“, meinte der Bürgermeister. Er kündigte an, dass das dreijährige Provisorium bald beendet werden könne.

Die geschäftsführende Schulleiterin Kirsten Lather freute sich, dass ein Mann des Vertrauens Verantwortung übernimmt, der Sicherheit ausstrahlt und seit einem Jahr die Schule führt. „Du bist ein großartiger Pädagoge in einer großartigen Schule“, brachte es Lather auf den Punkt. Sie wünscht sich, dass die Gesellschaft erkennen möge, wie wichtig Werkrealschulen sind. Der „Geigenbauer“ hätte dies längst erkannt, meinte Lather, die an Pöckler bewundert, wie er all den unterschiedlichen Stimmen Klang geben kann.

Der Elternsprecher der Schule, Thomas Orth, stellte zufrieden fest, dass Pöckler ein Mensch ist, der immer erkennt, dass gerade die Schwachen Hilfe brauchen. „In dieser Schule halten alle zusammen – hier werden die Wege gemeinsam gegangen“, sagte Orth.

In seiner Dankesrede versicherte Johannes Pöckler abschließend, dass es nie sein Plan war, einmal Rektor zu werden. Er dankte seinen anwesenden Eltern, dass er „die Flausen, die er im Kopf hatte“, ausleben durfte. Seinem Vorgänger Thomas Schneider dankte er für die Motivation, sich als sein Nachfolger zu bewerben. Dankesworte hörte auch Nina Salinger, die den kommissarischen Schulleiter stark unterstützte. Wer offiziell die Stellvertreterstelle einnehmen wird, ist derzeit noch offen.

Erfreut zeigte sich Pöckler über das Querflöten-Stück, präsentiert von Mira Zron, und auch die Schülerinnen-Tanz-Aufführung begeisterte den Rektor.

Was für ein engagiertes, humorvolles Kollegium Pöckler hat, war in dem Video „Zusammen sind wir stark“ offensichtlich. Gekonnt durch das Programm führte übrigens die Lehrerin Aysun Senel. Wer an der Werkrealschule zweifelt, dem sei empfohlen, sich das Musikvideo anzuschauen. (Quelle Text: Axel Sturm, Ladenburger Zeitung, Quelle Bild: WRS Unterer Neckar, Online-Redaktion)

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